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Liebe Eltern!
Vielleicht haben Sie gerade erst erfahren, daß Ihr Kind an Asthma erkrankt ist. Gewiß haben Sie nun viele Fragen, die nicht nur die medizinische Behandlung betreffen, sondern auch die Zukunft Ihres Kindes und das alltägliche Familienleben.
Ich will Ihnen mit dieser Seite erste Informationen zur Erkrankung und zu deren Behandlung im Alltag anbieten. Inhalte und weitere Fragen werde ich gerne mit Ihnen in meiner Praxis besprechen.

  • Was ist Asthma?

Asthma bronchiale ist eine chronische Erkrankung der Atemwege. Sie kann zwar nicht geheilt, heute aber dank ausführlicher Information der Familien und dank wirksamer Medikamente gut behandelt werden. Kindern mit Asthma kann so eine normale körperliche und seelische Entwicklung, und das heißt auch ein fröhliches und aktives Aufwachsen, ermöglicht werden. Asthma macht sich dadurch bemerkbar, daß es zu Beschwerden beim Ein- und Ausatmen oder auch zu plötzlicher Luftnot kommt. Oft beginnt die Erkrankung schleichend. Ungewöhnliche Müdigkeit, geringe Belastbarkeit, häufiges Husten oder nur sehr langsam ausklingende Atemwegsinfekte sind typische Anzeichen. Unzureichend behandelt kann Asthma schließlich zu schweren Hustenanfällen und zu Erstickungsgefühlen führen, die Kindern und Eltern große Ängste bereiten können.

  • Was geschieht bei einem Asthmaanfall?

Bei einem Asthmaanfall gelangt zu wenig sauerstoffreiche Atemluft in die Lungen, weil sich die Atemwege, die sogenannten Bronchien, verengen. Die Bronchien bilden ein weit verzweigtes Netz von Röhren, über das die eingeatmete Luft aus der Luftröhre zu den Lungenbläschen gelangt. Sind diese Röhren zu eng, dann werden die Lungenbläschen nur ungenügend mit frischer Atemluft versorgt. Das Blut kann deshalb nicht genug mit dem lebenswichtigen Sauerstoff angereichert werden.
Die Bronchien sind in ihrem Innern mit einer Schleimhaut ausgestattet. Die äußere Schicht der Bronchien besteht aus Muskeln, der sogenannten Bronchialmuskulatur.

Für die Verengung der Atemwege beim Asthma gibt es nun zwei Gründe:
1. die Schleimhaut der Bronchien ist entzündet, sie schwillt an und produziert vermehrt zähfIüssigen Schleim und
2. die äußere Bronchialmuskulatur verkrampft, d. h. sie zieht sich zusammen.

Beides bewirkt, daß der Querschnitt der Bronchien enger wird. Der Raum für die hindurchströmende Luft wird knapp. Vor allem das Ausatmen fällt schwer. Verbrauchte Luft staut sich in der Lunge, während frische, sauerstoffreiche Luft nicht mehr ausreichend einströmen kann.
  • Wie entsteht Asthma?
Die genauen Ursachen dieser Erkrankung sind noch nicht vollständig geklärt. Man weiß jedoch, daß eine übermäßige Empfindlichkeit der Bronchialschleimhaut ein entscheidender Ausgangspunkt ist. Unter dieser Voraussetzung können viele verschiedene äußere Reize eine langanhaltende Entzündung der Schleimhaut auslösen. Während diese Reize für viele andere Menschen kaum von Bedeutung sind, rufen sie bei Kindern mit Asthma eine Verengung der Bronchien und damit Atemnot hervor. Fachleute gehen heute davon aus, daß die übergroße Empfindlichkeit der Bronchien angeboren ist. Die Bereitschaft für Asthma wird vererbt. Dies kann auch in Familien geschehen, in denen weder Mutter noch Vater an Asthma erkrankt sind. Oft ist jedoch ein Elternteil oder ein anderer naher Verwandter betroffen. Wenn Asthma bei einem Kind festgestellt wird, sollten sich Eltern bewußt machen, daß die Bereitschaft für Asthma zwar vererbt werden kann, jedoch niemand Schuld hat, wenn die Erkrankung schließlich bei einem Kind auftritt!
  • Was kann einen Asthmaanfall auslösen?

Eine große Anzahl von Auslösern ist bekannt, wobei jedes Kind und seine Familie durch Beobachtung bald eigene sogenannte Allergene beschreiben kann. Der wichtigste Auslöser für allergische Asthmareaktionen bei Kindern ist die Hausstaubmilbe, oder genauer, ihr Kot. Milben sind dort anzutreffen, wo es ausreichend Nahrung (menschliche oder tierische Hautschuppen),Wärme und Feuchtigkeit gibt. Viele der unsichtbaren Milben finden sich daher im Bettzeug, in der Matratze, rund um das Bett und nicht zuletzt in Kuscheltieren

Weitere mögliche Auslöser sind:
Tierhaare und Tierschuppen
Pollen (Blüten-, Baum- und Gräserpollen)
Schimmelpilzbefall in der Wohnung
Tabakrauch
Luftschadstoffe
Erreger von Erkältungskrankheiten
kalte trockene Luft
körperliche Belastungen
starke seelische Erregung, Belastung
  • Asthma ist nicht bei allen Kindern gleich

Obwohl etwa 10 % aller Kinder in Deutschland mit Asthma leben, ist die Erkrankung bei jedem Kind unterschiedlich ausgeprägt. Jedes Kind reagiert auf etwas andere Reize sensibel, und auch die Intensität, Häufigkeit und Dauer der Beschwerden sind verschieden. Gemeinsam mit Ihrer Kinderärztin oder dem Arzt können Sie die Allergene und Situationen herausfinden, die speziell bei Ihrem Kind zu Atemnot führen. Je genauer Sie diese kennen, um so besser können Sie vorbeugen. Eine genaue Vorhersage über den Verlauf der Erkrankung ist heute noch nicht möglich. Langzeituntersuchungen zeigen kein eindeutiges Bild. Während viele Jugendliche mit dem Eintritt in die Pubertät kaum noch Beschwerden verspüren, bleibt das Asthma bei anderen bis ins Erwachsenenalter bestehen. Ohne ausreichende Behandlung kommt es sogar zu deutlichen Verschlechterungen des Befindens. Ebenso muß die medikamentöse Behandlung auf die Situation jedes Kindes persönlich zugeschnitten werden. AIlen Kindern mit Asthma ist jedoch gemeinsam, daß ihnen durch eine regelmäßige Behandlung, Schutz vor Allergenen und Wissen über das richtige Verhalten in kritischen Situationen gut geholfen werden kann.

  • Wie können Eltern ihrem Kind helfen

Der Erfolg der Asthmabehandlung hängt nicht nur vom Rat des erfahrenen Kinderarztes ab, sondern vor allem davon, wie gut es Eltern und Kindern gelingt, die notwendigen Behandlungen und Vorsorgemaßnahmen jeden Tag sorgfältig durchzuführen. Als Eltern sollten Sie sich daher genau über die Wirkung und richtige Anwendung der Asthmamedikamente informieren. Im zweiten Kapitel dieser Broschüre finden Sie dazu einige Informationen. Scheuen Sie sich auch nicht, Ihren Arzt zu befragen, wenn Sie unsicher sind oder Bedenken haben. Wichtig ist hier vor allem, da8 einige Medikamente regelmäßig eingenommen werden müssen, und zwar auch dann, wenn Ihr Kind keine Beschwerden hat. Nur so bleibt die schützende Wirkung bestehen.
Eine weitere wichtige Maßnahme ist, Ihr Kind vor Allergenen, wie z. B. Hausstaubmilben, zu schützen. Dazu kann es erforderlich sein, den Schlaf- und Spielbereich Ihres Kindes umzugestalten. Die Broschüre ”Prima Klima!” (s. Anhang) gibt Ihnen dazu praktische Anregungen. Obwohl es Kindern manchmal großen Kummer bereitet, kann es auch notwendig werden, sich von Haustieren zu trennen.
Gute Luft bedeutet auch, daß in der Wohnung nicht geraucht werden sollte. Wenn es Ihnen bisher schwergefallen ist, das Rauchen aufzugeben, dann kann vielleicht die Gesundheit Ihres Kin- des dazu den entscheidenden Anstoß liefern.
Schließlich können Eltern und Kinder lernen, erste Körpersignale eines drohenden Anfalls frühzeitig selbst zu erkennen und rechtzeitig wirksame Gegenmaßnahmen zu ergreifen. In Asthmaschulungen für Kinder und Eltern werden die Früherkennung geübt und Hilfsmittel zur Messung der Atemkraft vorgestellt. Außerdem wird trainiert, welche Körperhaltungen und Atemtechniken bei beginnender Luftnot hilfreich sind. Die richtige und schnelle medikamentöse Behandlung eines Asthmaanfalls ist ebenfalls ein Thema, das ausführlich besprochen wird. Fragen Sie in Ihrer Kinderarztpraxis nach einer solchen Asthmaschulung in Ihrer Nähe!
Obwohl Asthma zusätzliche Anforderungen stellt, sind die Chancen betroffener Kinder bei guter Behandlung groß, daß sie sich körperlich und seelisch altersgemäß entwickeln. Dazu ist es jedoch wichtig, daß sie in möglichst allen Lebensbereichen ”normal” behandelt und - so weit es die Erkrankung erlaubt - auch gefordert werden. Übertriebene Rücksicht oder Entlastung von allen Pflichten hilft keinem Kind, selbstbewußt und sicher durchs Leben zu gehen. Eltern unterstützen ihre Kinder vielmehr, wenn sie deren Selbständigkeit fördern und ihnen Chancen zur Selbst- bestätigung nicht nur in der Schule, sondern auch in Freizeit und Familie bieten. Die Asthmabehandlung sollte selbstverständlich und konsequent durchgeführt werden, jedoch nicht ständig im Mittelpunkt des Familienlebens stehen. Kinder sollen nicht für ihr Asthma, sondern gut mit Asthma leben!
Obwohl Asthma bei vielen Kindern längst nicht täglich zu Beschwerden führt, handelt es sich doch um eine chronische Erkrankung, die regelmäßig und sorgfältig behandelt werden sollte” Nur so sind die Chancen groß, daß Asthmaanfälle verhindert oder im Notfall rasch erfolgreich behandelt werden können. Ausreichend behandelte und gut informierte Kinder können an fast allen Unternehmungen mit ihren gleichaltrigen Freunden teilnehmen und sich altersgemäß; entwickeln. Entgegen früheren Vorstellungen können und sollten Kinder mit Asthma heute auch aktiv sein und am Sport in Schule und Verein teilnehmen. Ihre Kinderärztin oder Ihr Arzt werden mit Ihnen besprechen, welche Medikamente für Ihr Kind richtig sind, damit es im Alltag sicher und unbeschwert leben kann.

Die wichtigsten Asthmamedikamente lassen sich zwei Hauptgruppen zuordnen: Zum einen Medikamente, die zum Schutz der Bronchien vorbeugend eingenommen werden und zum anderen Medikamente, die in erster Linie die Bronchialmuskulatur entspan- nen und sich deshalb für den Notfall eignen. Abhängig von der Dosierung und Art der Darreichung können einige Wirkstoffe sowohl schützend wirken, als auch eine wichtige Hilfe während eines Asthmaanfalls sein.
  • Vorbeugende Medikamente zum Schutz der Bronchien

Cromoglycinsäure (DNCG)
Kortikosteroide


Vorbeugende Medikamente setzen die übergroße Empfindlichkeit der Bronchien gegenüber Allergenen herab. Die Entzündung der Bronchialschleimhaut wird gehemmt. Die Atemwege bleiben frei. Damit die schützende Wirkung erhalten bleibt, müssen diese Medikamente ständig, also auch in beschwerdefreien Zeiten, eingenommen werden.
Kindern fällt es schwer zu verstehen, warum sie Medikamente benötigen, wenn sie sich wohl fühlen. Vielleicht erzählen Sie Ihrem Kind dazu die Geschichte von einem Igel, der die Stacheln, die ihn schützen, immer dabei hat und für den Notfall pflegt. Für Kinder mit Asthma gibt es ein Medikament, das die Luftwege so schützt wie die Stacheln den Igel.

  • Cromoglycinsäure(DNCG)

Die Cromoglycinsäure sollte meist drei- bis viermal täglich inhaliert werden.
Die Cromoglycinsäure (DNCG) ist das typische ”Igel-Medikament”. Es schützt die Bronchialwand zuverlässig und beugt so einer Verengung der Atemwege vor. Die genaue Wirkung dieses Medikaments besteht darin, daß es Entzündungen innerhalb der Bronchialwand unterdrückt, die durch innere oder äußere Reize angestoßen werden. Bei regelmäßiger Behandlung gehen die allergischen Reaktionen innerhalb einiger Wochen nach und nach zurück. Entsprechend lange sollten Sie daher auch warten, bevor Sie den Erfolg der Therapie beurteilen. Insgesamt ist die Behandlung mit DNCG gut verträglich.

  • Kortikosteroide

Eine Gruppe weiterer Medikamente zur Vorbeugung von Entzündungen der Bronchialwand sind die Kortikosteroide. Der Name zeigt bereits, daß sie dem körpereigenen Hormon Kortison ähnlich sind. Sie gelten als starke Waffe im Kampf gegen Asthma. Ihre Wirkung kann für Kinder mit dem Panzer einer Schildkröte verglichen werden, der ihre Bronchien schützt.
Kortikosteroide können inhaliert oder auch als Tabletten eingenommen werden. Für eine längerfristige vorbeugende Behandlung wird dieses Medikament als Spray empfohlen. Es gelangt ohne Umweg durch den ganzen Körper direkt dorthin, wo es wirken soll. Bei richtiger Dosierung ist es so weitgehend frei von Nebenwirkungen. Befürchtungen, die manche Eltern mit einer Kortisonbehandlung verbinden, sind hier nicht begründet, weil nur geringste Mengen des Wirkstoffes in die Blutbahn gelangen. Durch Ausspülen des Mundes nach der Inhalation können schließlich auch mögliche Begleiterscheinungen in der Mundhöhle (Pilzbelag) vermieden werden.
Kortikosteroide als Tabletten werden zur Dauerbehandlung nur selten eingesetzt, meist nur bei besonders schwer zu behandelnden Asthmaformen. Hier wird der Arzt genau darauf achten, daß die Dosis möglichst gering, aber noch ausreichend wirksam ist. Um unerwünschte Wirkungen zu vermeiden, kann es z. B. sinnvoll sein, das Medikament nur jeden zweiten Tag zu nehmen. Regelmäßige Kontrolluntersuchungen des Kinderarztes sorgen hier für die notwendige Sicherheit und Schutz vor unerwünschten Wirkungen.
Auch für die Kortikosteroide gilt: Sie können nur dann vorbeugen, wenn sie regelmäßig eingenommen werden. Die vollständige Wirkung zeigt sich auch hier erst nach einigen Wochen. Nach dem Absetzen des Medikaments bleibt sie noch einige Zeit bestehen. Deshalb sollten Änderungen der Dosis nur sehr langsam und unter sorgfältiger Beobachtung der Atmung durchgeführt werden. Kortikosteroide in Form von Sprays helfen im Notfall einer Asthmaattacke nicht.

  • Bronchienerweiternde Medikamente und andere Notfallmedikamente

Einige bronchienerweiternde Medikamente helfen im akuten Notfall, wenn Atemnot droht oder bereits eingetreten ist. Sie wirken innerhalb einiger Minuten, indem sie die verkrampfte Bronchialmuskulatur entspannen. So können sie lebensrettend sein. Andere bronchienerweiternde Medikamente eignen sich auch zur Behandlung von langanhaltenden Beschwerden.

  1. Beta2-Mimetika
  2. Theophyllin
  3. Kortikosteroide
  • 1. Beta2-Mimetika

Beta-2-Mimetika sind die wichtigsten Asthmamedikamente bei akuter Atemnot. In der Regel werden sie als Spray (Dosieraerosol) gegeben. Die bronchienerweiternde Wirkung setzt innerhalb von einigen Minuten ein und hält etwa 2 bis 6 Stunden an. Sie können Ihrem Kind die Wirkung dieses Medikaments anschaulich erklären, indem Sie es mit einem Maulwurf vergleichen. Das ”Maulwurf-Medikament” macht sich auf den Weg durch die verengten Atemwege und schaufelt sie frei, damit wieder genug Luft hindurchströmen kann.
Inzwischen sind auch Beta2-Mimetika erhältlich, die bis zu 12 Stunden wirken. Diese werden bei schweren Asthmaformen und bei nächtlichen Beschwerden eingesetzt. Neben Sprays gibt es Beta-2-Mimetika auch als Tropfen, die zusammen mit DNCG, z.B. im PariBoy, vernebelt werden können. Weiterhin werden sie als Tabletten, Saft oder Zäpfchen angeboten.
Außer bei Notfällen können Beta2-Mimetika auch vorsorglich inhaliert werden, um Risiken, z. B. durch körperliche Belastungen oder Erkrankungen, vorzubeugen. Insgesamt sollten diese Medikamente jedoch nur dann eingesetzt werden, wenn sie wirklich notwendig sind. Als unerwünschte Wirkung kann sich ein leichtes vorübergehendes Muskelzittern einstellen. Es ist von der Dosis abhängig und verschwindet ohne bleibende Folgen wieder von selbst.
Wenn Ihr Kind immer häufiger zum Spray greifen muß, sprechen Sie bitte mit Ihrem behandelnden Kinderarzt. Wahrscheinlich reicht die vorbeugende Behandlung zum Schutz der Bronchialschleimhaut nicht aus. Beta-2-Mimetika helfen zwar bei akuter Atemnot, sie können aber die Grundprobleme, die Entzündung der Bronchialschleimhaut und die Allergie, nicht lindern.

  • Theophyllin

Theophyllin ist ein anderes Medikament, das die Bronchien ebenfalls erweitert. Zusätzlich regt es die Atmung an. Verglichen mit den Beta2-Mimetika ist seine Wirkung schwächer, und sie tritt deutlich später ein.
Theophyllin, das in Form von Tabletten, Kapseln oder Tropfen eingenommen wird, wirkt erst, wenn davon ausreichend im Blut vorhanden ist. Um das Medikament richtig zu dosieren, muß der sogenannte Wirkspiegel im Blut bestimmt werden. Ihr Kinderarzt wird dazu einige Untersuchungen durchführen und Sie bitten, den Behandlungserfolg sorgfältig mit einem Peak-Flow (Gerät zur Messung der Atemkraft) zu beobachten. Das Bild eines Krokodils, das die Bronchien bewacht und im Notfall erweitert, kann Kindern die Wirkung dieses Medikaments erklären.
Theophyllin kann einerseits zur Dauerbehandlung eingesetzt werden; andererseits findet es in Form von Tropfen auch Verwendung als Notfallmedikament. Bitte lassen Sie sich von Ihrem Kinderarzt gegebenenfalls genau erklären, welche Dosis für Ihr Kind richtig ist. Für den Notfall ist es hilfreich, wenn Sie gemeinsam einen Behandlungsplan mit Dosisangaben vorbereiten. Damit können Sie Ihrem Kind trotz Aufregung sicher und korrekt helfen. Nebenwirkungen treten meist auf, wenn Theophyllin überdosiert wird. Es kann zu Unruhe, Magenbeschwerden, Übelkeit, Erbrechen führen.

  • Kortikosteroide

Kortikosteroide, die als Tabletten eingenommen oder in die Vene injiziert werden, hemmen die Entzündung und Schwellung der Bronchialschleimhaut und verstärken die Wirkung der bronchienerweiternden Medikamente. Sie gelten als starke Waffe im Kampf gegen die Atemnot bei einer Asthmaattacke. Kindern kann hier das Bild eines starken Panzernashorns helfen, das mit aller Kraft durch die Atemwege drängt und sie so erweitert.
Bis die Wirkung der geschluckten Kortikosteroide vollständig eintritt, können einige Stunden vergehen. Zur Notfallbehandlung ist eine deutlich höhere Dosis erforderlich als bei der Dauerbehandlung. Auch diese Dosis sollten Sie gegebenenfalls mit Ihrem Arzt vorab besprechen und sie für den Notfall notieren.
Bei kurzzeitiger Einnahme sind Kortikoide auch in höherer Dosis gut verträglich, mögliche Nebenwirkungen verschwinden mit dem Absetzen der Medikamente.

  • Inhalative oder orale Therapie?

Inhalative Therapie
Orale Therapie
  • Richtig Inhalieren

Der direkte Weg ist schneller. Außerdem bietet er den Vorteil, daß weniger Wirkstoff als bei Tabletten benötigt wird, um die erwünschte Wirkung zu erzielen. Die Inhalationsbehandlung ist zusätzlich schonender, weil die Medikamente nur dort wirken, wo sie sollen, und nicht in anderen Körperregionen. Speziell bei Asthmamedikamenten, die mehrmals täglich und über einen längeren Zeitraum eingenommen werden müssen, ist dies besonders günstig. Für Ihr Kind lohnt sich die Mühe der Inhalation also in jedem Fall!

  • Feuchtinhalation

Die Feuchtinhalation ist eine schonende und gründliche, aber auch aufwendige Inhalationsmethode. Bei sehr kleinen Kindern, bei schwerem Asthma und bei erkältungsbedingten Verschlechterungen ist die Feuchtinhalation besonders zu empfehlen. Die Feuchtinhalation kann auch bei Säuglingen und Kleinkindern mit Hilfe sogenannter Babymasken durchgeführt werden.
Für die Feuchtinhalation wird ein Fertiginhalat verwendet. Darin liegt das Medikament gebrauchsfertig portioniert in Flüssigkeit gelöst vor. Mit Hilfe von Druckluft oder Ultraschall wird das Inhalat vernebelt. Es entstehen feine Flüssigkeitströpfchen, die beim Einatmen sehr tief in die Atemwege vordringen und sich in der ganzen Lunge verteilen können. Sowohl Cromoglycinsäure als auch Beta 2-Mimetika stehen als Fertiginhalat zur Verfügung.
Die Inhalation von Flüssigkeitströpfchen ist angenehm und schonend. Sie kann von Kindern in jedem Alter mit etwas Übung gut durchgeführt werden.
Für die Feuchtinhalation werden neben dem Medikament noch ein kleiner Kompressor und ein Düsenvernebler mit Mundstück benötigt. Sie können überall dort betrieben werden, wo ein Stromananschluß zur Verfügung steht. Alle Teile passen problemlos in jedes Reisegepäck.
Die Inhalation dauert ungefähr 10 bis 15 Minuten. Regelmäßige Inhalationen entsprechend dem Behandlungsplan Ihres Kinderarztes sind die Voraussetzung für eine wirksame Therapie!

Tips zur Feuchtinhalation

Vor der Inhalation sollten die Hände gründlich gewaschen werden, da sonst beim Öffnen der Ampullen Keime in die Inhalierlösung gelangen können.
Die Ampulle mit dem gebrauchsfertigen Inhalat wird geöffnet und die Lösung in den Medikamentenbecher gefüllt. Der Vernebler wird zusammengesteckt.
Bitten Sie Ihr Kind, sich entspannt und aufrecht hinzusetzen. Die richtige Sitzhöhe kann hier viel ausmachen.
Wenn Ihr Kind bereits mit einem Mundstück inhalieren kann, sollte es dieses mit den Lippen umschließen und tief durch den Mund einatmen. Sollten Sie einen Vernebler mit Unterbrechertaste besitzen, halten Sie oder Ihr Kind die Unterbrechertaste während des Einatmens gedrückt. Nach dem Einatmen wird die Unterbrechertaste losgelassen, kurz die Luft angehalten und dann langsam ausgeatmet. Ohne Unterbrechertaste atmet Ihr Kind einfach durch den Vernebler ein und aus.
Zu Beginn dieser Behandlung sollten Sie mit Ihrem Kind zuerst einmal ohne Medikament üben, den richtigen Atemrhythmus zu finden. Gehen Sie mit gutem Beispiel voran und atmen Sie gemeinsam mit Ihrem Kind. Achten Sie darauf, daß sie langsam und ruhig atmen, damit es nicht zu Schwindelgefühl oder Übelkeit kommt. Lassen Sie zu Beginn auch Ihre Phantasie spielen, um Ihr Kind möglichst angstfrei und entspannt in die Behandlung einzuführen. Sie könnten beispielsweise zwei Taucher sein, die tief im Meer auf Entdeckungstour gehen und dabei selbstverständlich durch eine Maske atmen. Besonders jüngeren Kindern hilft auch die konkrete Erfahrung und Vorstellung, daß die schützenden ”Igel- oder Maulwurf-Medikamente” dorthin gelangen, wo Kinder selbst Beschwerden spüren können. Erzählen Sie dazu eine lebendige Geschichte.
Bitte denken Sie auch an die Reinigung des Gerätes! Nach jeder Inhalation sollte der Vernebler zerlegt werden. Alle Teile, die mit dem Mund oder mit dem Medikament in Berührung kommen, sollten heiß abgespült werden. Medikamentenreste und andere Ablagerungen lassen sich gut in heißem Wasser mit etwas Spülmittel entfernen. Danach sollte mit klarem Wasser nachgespült werden. Mindestens einmal wöchentlich sollten Sie eine Desinfektion (Aus- kochen der Einzelteile) vornehmen. Sie können diese gründliche Reinigung mit einem Gerät zur Desinfektion von Babyflaschen durchführen, dem NUK Vaporisator 2002. Es arbeitet mit heißem Wasserdampf und stellt sicher, daß alle Teile keimfrei sind.
Nach jeder Reinigung sollten die Einzelteile mit Haushaltspapier, auf einem Handtuch oder mit einem Fön getrocknet werden. Setzen Sie die Einzelteile erst unmittelbar vor der nächsten Inhalation zusammen. So können Sie vermeiden, daß Ihr Kind in Kontakt mit schädlichen Krankheitskeimen kommt.

  • Dosieraerosole (Sprays)

Dosieraerosole bieten die Möglichkeit einer weniger aufwendigen Inhalation. Die Sprays sind handlich, sofort einsatzbereit und können überallhin mitgenommen werden. Bei einem Dosieraerosol wird aus einer Düse ein Nebel freigesetzt, in dem das Medikament sehr fein verteilt ist. Beta2-Mimetika , Cromoglycinsäure und auch Kortikosteroide stehen als Spray zur Verfügung.
Die richtige Handhabung des Aerosols erfordert Übung. Da das Medikament die Düse mit einer Geschwindigkeit von etwa 200 km/h verläßt, kommt es hier auf eine perfekte Abstimmung von Handbewegung und Atmung an. Der Sprühstoß muß genau im richtigen Moment, d. h. während des Einatmens ausgelöst werden. Selbst bei sehr sorgfältiger Technik gelingt es Kindern und vielen Erwachsenen nicht, das Medikament wirklich vollständig bis in die Bronchien einzuatmen. Besonders schwierig wird es dann, wenn bereits Atembeschwerden bestehen. Deshalb werden heute spezielle Inhalierhilfen, sogenannte Spacer, in verschiedener Form angeboten. Spacer sind Behälter, die zwischen das Spray und ein Mundstück gesetzt werden.
Das Spray wird in den Spacer gesprüht. Dort verteilt es sich und kann daraus ruhig und ohne Zeitdruck eingeatmet werden. So können Sie sicher sein, daß das Medikament vollständig in die Atemwege gelangt und nicht nur im Mundraum bleibt.

  • Inhalieren mit einem Spacer: So funktionierts richtig!
  1. Ihr Kind sollte sich in Ruhe hinstellen und eine bequeme Haltung einnehmen.
  2. Dann wird die Schutzkappe vom Mundstück des Dosieraerosols abgenommen und auf das Mundstück (kleine Öffnung) des Spacers gesteckt.
  3. Der Spacer wird mit der offenen Seite auf das Mundstück des Aerosols gesetzt.
  4. Nun das Dosieraerosol kräftig schütteln und durch Drücken einen Sprühstoß auslösen. Dabei muß das Mundstück nach unten zeigen.
    Ausatmen, die Schutzkappe vom Spacer entfernen und das Mundstück mit den Lippen und Zähnen fest umschließen.
  5. Ruhig und tief einatmen, für einige Sekunden die Luft anhalten (bis 10 zählen) und langsam ausatmen.
  6. Wenn ein Kortikosteroid inhaliert wird, daran denken, den Mund anschließend mit klarem Wasser auszuspülen.
  • Trockeninhalation/Pulverinhalation

Im Gegensatz zu den bisher vorgestellten Feuchtinhalationen, z.B. mit dem Pari Boy und Dosieraerosolen, wird das Medikament bei dieser Methode als feines Pulver eingeatmet. Die Pulverinhalation ist eine Trockeninhalation. Auch hier sollten Sie die notwendigen Handgriffe zuerst einmal mit Ihrem Kind üben. So funktioniert die Pulverinhalation mit dem FluiR-Inhaler:

  1. Schutzdeckel abziehen und das Mundstück in Pfeilrichtung verdrehen;
  2. Pulverkapsel in die Kapselkammer einlegen und das Gerät schließen;
  3. beide roten Knöpfe gleichzeitig drücken, bis das Knacken der Kapsel zu hören ist...
  4. Inhaler drehen, bis das Mundstück nach unten zeigt...
  5. ausatmen, den Kopf in den Nacken legen und das Mundstück mit den Lippen fest umschließen...
  6. tief und schnell einatmen; dabei ist das Surren der drehenden Kapsel zu hören.

Da jedes System zur Pulverinhalation etwas anders funktioniert, sollten Sie sich den Beipackzettel in Ruhe ansehen und mit Ihrem Kinderarzt besprechen, was bei Ihrem Medikament besonders zu beachten ist.
Gegenüber der Inhalation mit einem Dosieraerosol bietet die Pulverinhalation einige Vorteile.
Sie ist gerade für Kinder einfacher, denen es nicht gelingt, Atmung und die Handbewegung beim Auslösen eines Sprays gut abzustimmen. Eltern können die Pulverkapseln abgezählt mitgeben und damit verhindern, daß ein Medikament zu oft eingesetzt wird. Gleichzeitig kann bei vielen Systemen geprüft werden, ob wirklich die gesamte Dosis inhaliert wurde.

  • Welche Medikamente sind für Ihr Kind geeignet ?

  Ebenso wie Ihr Kind einzigartig und unverwechselbar ist, muß auch seine Behandlung individuell auf sein Asthma, seine Lebenssituation und seine Bedürfnisse abgestimmt werden. Dies sollte in vertrauensvoller Zusammenarbeit mit Ihrer Kinderärztin oder Ihrem Kinderarzt geschehen. ”Soviele Medikamente wie nötig, so wenig Medikamente wie möglich” ist dabei der Leitgedanke. Ziel der Behandlung sollte es sein, schwere Asthmaanfälle zu vermeiden, eine möglichst normale Belastbarkeit im Alltag zu erreichen, einen guten Schlaf zu ermöglichen und schließlich auch ein möglichst normales Aufwachsen gemeinsam mit Freunden zu fördern.
  Bei sehr leichten Asthmaformen kann es beispielsweise ausreichen, nur Beta2-Mimetika bei seltenen Beschwerden zu geben. Meist ist aber zusätzlich eine Dauerbehandlung mit DNCG sinnvoll. Reicht das nicht aus, werden zusätzlich Kortikosteroide in niedriger Dosierung zur täglichen Inhalation empfohlen. In einem weiteren Schritt ist die Dauerbehandlung mit Theophyllin möglich. Im nächsten Schritt können Kortikosteroide in höherer Dosis inhaliert werden. Reicht dies wiederum nicht aus, können Kortikosteroide zusätzlich als Tabletten eingenommen werden.
  Die Dosis der Medikamente ist meist abhängig vom Alter und Gewicht eines Kindes. Weiterhin wird sie von der Schwere des Asthmas bestimmt. In besonderen Situationen, beispielsweise vor körperlichen Belastungen oder bei beginnenden Infekten, ist es oft er forderlich, die Dosis zu ändern oder ein Medikament zusätzlich zu nehmen. Neben dem normalen Behandlungsplan sollten Sie deshalb mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt besprechen, welche Änderungen bei Sondersituationen wichtig sind.
  Auf den seltenen Fall einer schweren Asthmaattacke können Sie sich mit einem Notfallplan vorbereiten. Notieren Sie sich dazu genau, welche Medikamente Ihr Arzt dazu in welcher Dosis vorschlägt.
  Der Erfolg der Dauerbehandlung mit bronchienschützenden Medikamenten zeigt sich erst nach einigen Wochen. Im optimalen Fall ist Ihr Kind darunter beschwerdefrei und normal belastbar. Nehmen Sie dies jedoch nicht zum Anlaß, die Therapie vorschnell abzubrechen. Die Beschwerden werden sonst nach kurzer Zeit wieder auftreten. Zur Sicherheit Ihres Kindes sollten Sie alle Änderungen der Langzeittherapie gemeinsam mit dem Arzt planen und sorgfältig überwachen. Dazu gehört selbstverständlich auch, daß unerwünschte Wirkungen der Medikamente frühzeitig erkannt und vermieden werden.
Es ist verständlich, wenn sich Eltern eine Behandlung wünschen, die Asthma schnell und vollständig heilt. Manche hoffen dabei auf alternative Verfahren, die aber in der Regel leider nicht zum erwünschten Erfolg führen. Sprechen Sie mir, wenn Sie von einer solchen Methode gehört haben und mehr darüber wissen möchten. Für die Gesundheit Ihres Kindes kann es wichtig sein, mögliche Vor- und Nachteile in Verbindung mit der medikamentösen Therapie zu bedenken.

  • Wissen, wie es um die Bronchien steht.

  Viele Eltern berichten, daß die tägliche Unsicherheit und die Angst vor einer plötzlichen Asthmaattacke das seelische Befinden und die Lebensfreude aller Familienmitglieder erheblich beeinträchtigen können. Einige dieser Sorgen lassen sich dadurch abbauen, daß Kinder und Eltern lernen, die Atmung gut zu beobachten, um bei ersten Anzeichen einer Verschlechterung frühzeitig handeln zu können.

  In Asthmaschulungen wird dazu geübt, welche Situationen bei jedem Kind persönlich zu einer Asthmaattacke führen können. Beispiele dafür sind:

  • Kontakt mit Allergenen, z. B. ein Zoo- oder Zirkusbesuch bei einer Allergie gegen Tierhaare;
  • ein beginnender Schnupfen oder eine Erkältung;
  • Temperaturschwankungen und andere Witterungseinflüsse;
  • Zigarettenrauch, Abgase, Staub;
  • körperliche Belastung in kalter Luft;
  • große seelische Belastungen wie Angst, Ärger, aber auch Freude; und viele andere mehr.
Außerdem lernen Kinder und Eltern wichtige Anzeichen einer verschlechterten Atmung kennen. Dazu gehören beispielsweise:
  • Atemgeräusche, wie ”Brummen”, ”Giemen” oder ”Pfeifen”;
  • nächtlicher Husten mit Schlafstörungen;
  • veränderter Atemrhythmus mit verlangsamter Ausatmung;
  • hochgezogene Schultern;
  • leichte Luftnot mit Engegefühl;
  • ungewöhnliche Schwierigkeiten bei körperlichen Belastungen;
  • und einige weitere persönliche Anzeichen.
Neben diesen Warnzeichen haben Kinder und Eltern heute aber auch die Möglichkeit, genauer zu überprüfen,wie es um die Bronchien steht.
Denn nicht immer spüren Kinder, daß ihre Atemkraft nachläßt - vor allem dann, wenn sich die Atmung allmählich verschlechtert. Das sogenannte Peak-flow-Meter stellt hier eine wichtige Hilfe im Alltag dar. Der englische Begriff ”Peak-flow” steht dabei für die Schnelligkeit des ausgeatmeten Luftstroms. Das Peak-flow-Meter mißt demnach die größte Strömungsgeschwindigkeit, die entsteht, wenn schnell und stark ausgeatmet wird.

  • Wie oft sollte das Peakfiow zum Einsatz kommen?
Bei der Messung kommt es nicht so sehr darauf an, einmal einen besonders hohen Wert zu erreichen. Viel wichtiger ist, die Werte in ihrem Verlauf über die Zeit zu beobachten, um frühzeitig Abweichungen vom persönlichen Durchschnitt (Normalwert) zu erken- nen. Leichte Schwankungen im Tagesverlauf sind dabei kein Problem. Es ist völlig normal, morgens etwas weniger Puste zu haben als im Lauf des Tages.
Regelmäßige Peak-flow-Messung bedeutet anfangs dreimal täglich, morgens, mittags und abends, immer vor der Einnahme des Medikaments. Dabei wird jeweils dreimal hintereinander gemessen. Der höchste der drei Werte wird in ein Peak-flow-Protokoll eingetragen. Man nennt diese Methode auch das 3X3 der Peak-flow-Messung

Selbstverständlich können Sie, wann immer Sie es für nötig halten, auch zwischendurch messen. Sie können so zum Beispiel überprüfen,...
ob wirklich ein Asthmaanfall droht; wie sich sportliche Betätigung auswirkt; ob und wie schnell Medikamente zur Erweiterung der Bronchien wirken.
Wie oft Ihr Kind messen sollte, wenn sich die Behandlung eingespielt hat und das Asthma gut unter Kontrolle ist, wird Ihr Kinderarzt mit Ihnen besprechen. Auch auf Dauer werden die Messungen ein wichtiger Bestandteil der Behandlung bleiben.

  • Nur die richtige Messung ergibt aussagefähige Werte
Damit sich die Mühe lohnt, sollten Sie gemeinsam mit Ihrem Kind üben, wie die Atemkraft richtig gemessen wird. Denn Fehler führen zu falschen Werten, und die verunsichern mehr als sie helfen.
  • Lassen Sie Ihr Kind immer im Stehen messen.
  • Setzen Sie das Mundstück auf das Peak-flow-Meter.
  • Der Zeiger sollte auf Null stehen und frei beweglich sein.
  • Ihr Kind sollte das Gerät waagerecht, z. B. wie eine Trompete, halten und darauf achten, daß es den Schlitz für den Zeiger nicht mit den Fingern verdeckt.
  • Dann gehts los: Tief einatmen, das Mundstück des Peak-flow- Meters mit Lippen und Zähnen umschließen und so stark und schnell wie möglich hineinblasen (so, als würde eine Kerze aus- geblasen).
  • Der Wert auf der Skala neben dem Zeiger gilt.
  • Nun wird der Zeiger wieder auf Null gestellt und das Ganze noch zweimal wiederholt.
  • Zum Abschluß tragen Sie oder Ihr Kind den höchsten der drei Werte in das Peak-flow-Protokoll ein.
  • Warum ist ein Peak-flow-Protokoll wichtig?
Nach den Messungen und dem Eintragen sollten Sie nicht vergessen, das Mundstück zu säubern. Von Zeit zu Zeit muß auch das Peak- flow-Meter selbst gereinigt werden. Dazu wird das Mundstück einfach abgezogen, und beide Teile werden in warmem Wasser mit et- was Spülmittel ausgewaschen. Zum Schluß spülen Sie kurz mit klarem Wasser nach und lassen die Teile trocknen.
Wenn Sie die Messungen regelmäßig durchführen und die Werte der Messungen in einem Protokollblatt miteinander verbinden, dann können Sie über das Auf und Ab der Kurve recht gut erkennen, wie es um die Gesundheit Ihres Kindes steht. Sie können das Protokoll nutzen, um...
  • ... mit mir zu besprechen, ob die medikamentöse Behandlung noch stimmt. So können Sie sicher sein, daß weder zu viele noch zu wenige Medikamente eingenommen werden.
  • ... Verschlechterungen frühzeitig zu erkennen und Gegenmaßnahmen einzuleiten.
  • ... Situationen oder Verhaltensweisen näher kennenzulernen, die zur Verschlechterung der Atmung führen.
Noch zwei Gedanken zum Schluß: Die eingetragenen Werte sind keine Schulnoten, die zeigen, wie sehr sich Eltern und Kinder angestrengt haben. Gerade wenn die Werte nicht so gut ausfallen, sollten Sie Ihr Kind motivieren, diese ehrlich einzutragen. Denn nur dann kann der Arzt die Situation richtig beurteilen und die Behandlung verbessern. Loben Sie Ihr Kind für die Mühe, die es sich mit dem Messen macht und zwar völlig unabhängig von den Meßergebnissen!

Obwohl sich Eltern und Kinder meist bemühen, die Medikamente nach Plan einzunehmen, können sie doch einmal vergessen werden. Das ist nur zu menschlich. Damit ich Sie richtig beraten kann, sollte er aus dem Protokoll erkennen können, ob die Medikamente eingenommen wurden oder nicht. Ehrlichkeit hilft hier allen Beteiligten!
  • Atemübungen zur Förderung des Wohlbefindens
Medikamente sind wichtige und unverzichtbare Bestandteile der Asthmabehandlung. Durch regelmäßige Atemübungen kann das Wohlbefinden jedoch zusätzlich gesteigert werden.
Der folgende Abschnitt will Ihnen zeigen, wie Sie Ihrem Kind spielerisch helfen können, beweglich und leistungsfähig zu bleiben. Außerdem können Sie mit ihm üben, wie es sich selbst bei beginnender Atemnot durch günstige Körperstellungen und die richtige Atemtechnik Erleichterung verschaffen kann. Das Gefühl, sich im Notfall selbst helfen zu können, baut Angst ab, stärkt das Selbstbewußtsein und fördert so das körperliche und seelische Wohlbefinden.
Nutzen Sie die kindliche Freude an Bewegung, indem Sie die Atemübungen als Spiel und Familienaktivität in den Alltag aufnehmen. Gerade jüngere Kinder lieben Rituale, wie z. B. zehn Minuten Atemgymnastik vor dem Abendessen gemeinsam mit dem Vater vor dem Hintergrund einer ruhigen Lieblingsmusik. Geschwister oder Freunde können ebenso mitmachen, wenn nachmittags gespielt wird. Stellen Sie den Spaß an gemeinsamer Aktivität in den Vordergrund. Das Asthma muß dabei nicht ständig betont werden. Wie bei jedem Training machen sich Erfolge auch hier erst nach längerem regelmäßigen Üben bemerkbar.
Die normale Atmung sollte an der Nase beginnen, d.h. wir alle sollten möglichst durch die Nase einatmen. Dort befinden sich nämlich feine Härchen, die Schmutz und Staubteilchen zurückhalten. Die Atemluft wird gereinigt. Außerdem wird sie erwärmt und angefeuchtet.
Besonders für Kinder mit Asthma ist das Einatmen durch die Nase günstig, weil bei ihnen bereits kalte oder trockene Luft einen Hustenanfall oder Atemnot auslösen kann.
Ausatmen sollte Ihr Kind durch den Mund, und zwar möglichst langsam und ruhig. Die sogenannte Lippenbremse hilft dabei.
Bei der Lippenbremse läßt man die Luft durch die locker aufeinanderliegenden Lippen langsam und ohne Druck ausströmen. Der Atemstrom wird gebremst. Die Atemwege bleiben weit. Mit dem folgenden Spiel können Sie diese Technik üben.

Übung zur Lippenbremse: ”Pusteblume”
Ein Wattebausch wird auf die offene Handfläche gelegt. Dann wird tief durch die Nase eingeatmet. Beim Ausatmen kommt es nun darauf an, so sanft gegen die Watte zu pusten, daß sie nur wenig zittert.
Die Watte darf nicht wegfliegen, sollte aber auch nicht ruhig liegen bleiben. Probieren Sie mit Ihrem Kind gemeinsam, wie lange es die Watte so in Bewegung halten kann.
Die Lippenbremse ist eine besonders hilfreiche Atemtechnik, wenn sich Atemnot ankündigt, z. B. bei körperlichen Belastungen während des Spielens. Üben Sie diese Technik deshalb auch in alltäglichen Situationen. Das Stichwort ”Pusteblume” kann Kinder insbesondere bei Belastungen an die hilfreiche Atemtechnik erinnern.
  • Atemerleichternde Körperstellungen
Wenn das Atmen zunehmend schwer fällt und Atemnot droht, kann sich Ihr Kind auch selbst helfen, indem es eine entspannte Körperhaltung einnimmt, in der es ruhig atmen kann. Dafür gibt es zwar kein Patentrezept, aber einige Stellungen, die sich oft als günstig erwiesen haben. Welche von den hier vorgestellten für Ihr Kind besonders geeignet ist, sollten Sie gemeinsam während beschwerdefreier Phasen ausprobieren und üben.

Kutschersitz
Hierbei setzt sich das Kind breitbeinig auf einen Stuhl, Die Füße stellt es auf den Boden.
Die Ellenbogen stützen sich auf den Oberschenkeln ab. Der Kopf wird bequem gehalten, und es wird langsam ein- und mit der Lippenbremse ausgeatmet. Statt der Ellenbogen können auch die Hände auf den Oberschenkeln abgestützt werden.
Ähnlich ist auch der Schülersitz. Dabei legt man die gebeugten Arme auf eine Unterlage, z. B. auf einen Tisch oder die Rückenlehne eines Stuhls. Der Kopf wird zur Seite gedreht und liegt entspannt auf den Händen.

Paschasitz
Hierbei setzt sich Ihr Kind bequem in einen Sessel und lehnt sich zurück. Die Füße stehen auf dem Boden. Zur Unterstützung wird eine Rolle oder ein Kissen unter die Knie geschoben. Die Arme sind auf den Lehnen so hoch gelagert, daß eine entspannte Haltung möglich ist. Ruhig einatmen und mit der Lippenbremse ausatmen. Die gleiche Haltung kann Ihr Kind auch im Schneidersitz einnehmen.

Päckchen
Für das Päckchen kniet man auf dem Boden und legt die gebeugten Arme nach vorn. Ein Kissen hilft, daß die Arme weicher liegen. Der Kopf wird zur Seite gedreht und entspannt auf die Hände gelegt. Der Rücken ist leicht gerundet, so daß sich der Bauch frei bewegen kann.

Hängebauch
Speziell bei jüngeren Kindern hat sich die Hängebauchlage als günstig erwiesen. Damit sich der Bauch ungehindert bewegen kann ,wird jeweils unter das Becken und unter die Achselhöhle eine Rolle gelegt.

Schnelle Hilfe unterwegs
Unterwegs, beim Spazierengehen oder beim Sport können die beschriebenen Positionen oft nicht eingenommen werden, weil die nötigen Hilfsmittel fehlen. Stattdessen kann sich Ihr Kind in Schrittstellung an einen Baum oder eine Wand lehnen. Der Rücken ist leicht gerundet, und der Bauch kann sich unbehindert bewegen. Das Gewicht der Schultern, der Arme und des Kopfes wird abgeleitet und lastet nicht mehr auf der Lunge. Ruhig einatmen und mit der Lippenbremse ausatmen.
  • Atemgymnastik
Häufige Atembeschwerden und das Gefühl von Enge können dazu führen, daß Kinder mit Asthma zunehmend eine Schonhaltung einnehmen. Ihr Brustkorb kann dadurch weniger beweglich werden, und es können sich Haltungsschäden entwickeln. Mit einigen einfachen gymnastischen Übungen, die von E. Keil und Mitarbeitern entwickelt wurden, können Sie dem entgegenwirken.
Vielleicht besuchen Sie eine Asthmaschulung oder Asthmasportgruppe, in der Sie erste Erfahrungen mit diesen und weiteren Übungen unter fachkundiger Betreuung sammeln können.

Die folgenden Übungsbeispiele haben mehrere Ziele: Die Beweglichkeit des Brustkorbs soll verbessert, die Atmung vertieft und Schleim gelöst werden.

Rutsche
So gehts: Auf dem Boden auf die Fersen setzen, dabei die Knie geschlossen halten, dann den Körper mit den Händen nach hinten abstützen, die Brust vorschieben und mit dem Kinn die Brust berühren; mehrfach tief durchatmen und dann wieder entspannen.

Fisch
So gehts: Auf den Bauch legen, dabei ein Kissen unter den Brustkorb schieben; die Hände liegen auf dem Po; nun den Kopf ganz nach hinten strecken und den Brustkorb so weit wie möglich nach oben drücken; mehrfach tief und ruhig atmen.

Dreh-Dehnlage
So gehts: Auf die Seite legen, das untere Bein wird gestreckt, das obere ist angezogen; beide Armen sind lang gestreckt; nun die Schulter langsam so drehen, daß der obere Arm auch auf dem Boden liegt, während die Hüften in der Seitenlage bleiben, ruhig durch die Nase ein- und durch den Mund ausatmen. Bei dieser Übung sollte jede Körperseite einmal oben liegen.

Kobra-Schlange
So gehts: Auf den Bauch legen, beide Hände liegen auf dem Po, nun den Kopf und die Brust anheben und dabei auf den Boden schauen; mehrfach tief und ruhig atmen.
So gehts: Wieder auf den Bauch legen und mit der rechten Hand den linken Fuß festhalten; der andere Arm wird nach vorne gestreckt; nun den Brustkorb und den freien Arm anheben und dabei weiter den Boden anschauen; mehrfach tief und ruhig atmen. Auch die Übung sollte seitenverkehrt wiederholt werden.

Damit die Übungen Ihrem Kind wirklich nutzen, bedenken Sie bitte:
  • Das Üben sollte Spaß machen; kleiden Sie die Übungen in spannende Geschichten ein, beteiligen Sie Geschwister und Freunde oder machen Sie selbst mit;
  • üben Sie regelmäßig besonders dann, wenn es Ihrem Kind gut geht; überfordern Sie es nicht, wenn es ihm schlecht geht;
  • üben Sie in einem zuvor gut gelüfteten Raum, der aber nicht zu kalt sein sollte;
  • achten Sie auf bequeme weite Kleidung;
  • Kinder mögen Bewegung, möchten aber nicht ständig auf ihre Erkrankung hingewiesen werden; betonen Sie deshalb die Freude an gemeinsamer Aktivität, statt ständig darauf hinzuweisen, daß wegen des Asthmas geübt werden muß.
  • Gute Vorbereitung gibt im Notfall Sicherheit
Regelmäßige Behandlung und Vorsorge können die Zahl der Asthmaanfälle verringern, sie jedoch nicht in jedem Fall verhindern. Deshalb ist es für Eltern und Kinder wichtig, erste Anzeichen zu kennen und zu wissen, was zu tun ist, wenn ein richtiger Anfall eingetreten ist.

Frühe Warnzeichen, die einer Atemnot vorausgehen:
  • der Peak-flow-Wert sinkt innerhalb mehrerer Tage ab, oder er schwankt ungewöhnlich;
  • nächtlicher Husten mit Schlafstörungen;
  • Erkältungskrankheiten können Atemnot begünstigen;
  • ”Rasseln” der Atmung bei körperlicher Belastung;
  • das allgemeine Befinden ist schlechter.
Wenn Sie diese Warnzeichen bemerken, ist es an der Zeit, die medikamentöse Behandlung zu verstärken. Rufen Sie dazu Ihren Kinderarzt an!

Ein Asthmaanfall macht sich anfangs bemerkbar durch:
  • einen veränderten Atemrhythmus mit verlangsamter Ausatmung;
  • Atemgeräusche, wie ”Brummen”, ”Giemen” oder ”Pfeifen”;
  • hochgezogene Schultern;
  • eine Überblähung des Brustkorbs;
  • eine ungewöhnlich kurze Wirkung des bronchienerweiternden Sprays (nur 2 Stunden).
Bereits diese ersten Anzeichen eines Anfalls sollten Sie sehr ernst nehmen und mit einer Behandlung, wie im Notfallplan festgelegt, beginnen. Rufen Sie Ihren Kinderarzt auch an, wenn es Ihnen so gelungen ist, einen Asthmaanfall zu verhindern. Es kann notwendig sein, die Behandlung zu verändern, damit es nicht zu einem Rückfall kommt.

Ein schwerer Asthmaanfall ist verbunden mit:
  • schneller und angestrengter Atmung, wobei das Ausatmen besonders schwer fällt;
  • Kurzatmigkeit, die das Sprechen und Bewegen behindert;
  • stark geblähtem und angehobenem Brustkorb;
  • blauer Lippenfarbe;
  • schnellem Herzschlag; großer Angst und Gefühl der Beklemmung.
In dieser Situation muß umgehend mit der Notfallbehandlung begonnen und das Kind so schnell wie möglich in die Kinderklinik gebracht werden.
  • Der persönliche Notfallplan
Genau wie die tägliche Behandlung individuell auf Ihr Kind zugeschnitten ist, muß auch der Notfallplan maßgeschneidert werden. Besprechen Sie deshalb mit Ihrer Kinderarzt rechtzeitig, welche Medikamente in welcher Dosis im Ernstfall erforderlich sind. Der Plan sollte immer griffbereit sein. Hängen Sie eine Kopie an die Pinwand in der Küche, legen Sie eine andere Kopie zu den Medikamenten und vielleicht eine Dritte in Ihre Geldbörse.

Ihr Notfallplan könnte etwa so aussehen wie im folgenden Beispiel:
  • Notfallplan für..........
  • Ruhe bewahren!
  • Eine Position einnehmen, die ruhiges und tiefes Atmen erlaubt (z. B. Kutschersitz); wenn möglich, durch die Nase einatmen; Ruhig ausatmen, Lippenbremse!
  • Peak-flow messen: liegen die Peak-flow-Werte um 20% oder mehr unter dem Normalwert, ein schnell wirkendes Medikament inhalieren, das die Bronchien erweitert;
  • Name des Medikamentes.................Dosis......................
  • nach 10 Minuten wieder Peak-flow messen.
Hat sich der Wert deutlich gebessert oder normalisiert, brauchen aktuell keine weiteren Maßnahmen stattzufinden. Sprechen Sie jedoch möglichst bald mit Ihrem Kinderarzt. Hat sich der Wert nicht verbessert, die Behandlung mit folgenden Medikamenten fortsetzen (möglich sind: Beta2-Mimetika, Theophyllin, Kortikosteroid-Tabletten oder Zäpfchen)
.............................................................................
(Name und empfohlene Dosis des Medikaments)
~ Bessert sich der Peak-flow-Wert nach weiteren IO Minuten um mindestens 50 I/min., ist die akute Gefahr behoben. Sie sollten jedoch unbedingt mit Ihrem Arzt die weitere Behandlung besprechen. Bessert sich der Peak-flow-Wert nach weiteren I 0 Minuten nicht, umgehend über I l2 einen Notarzt verständigen oder direkt in die Klinik fahren.
~ Kinderarzt Tel.: ....................................................
~ Kinderklinik Tel.: ..................................................
Notfälle treten oft dann ein, wenn man nicht damit rechnet, z. B. während eines Ausfluges, im Urlaub oder bei anderen Unternehmungen außerhalb. Dann nutzt es wenig, wenn die Medikamente zu Hause gut verwahrt sind. Machen Sie es sich zur Gewohnheit, eine kleine Tasche mit den Medikamenten, dem Peak-flow und dem Plan für den Notfall überallhin mitzunehmen.
Wenn Ihr Kind alt genug ist, um die Grundzüge seiner Behandlung zu verstehen, sollte es ebenfalls zumindest ein bronchienerweiterndes Spray und ein Kärtchen mit den wichtigsten Anweisungen und Telefonnummern bei sich haben.
Denken Sie auch an eine Telefonkarte, damit Ihr Kind oder seine Freunde im Notfall Hilfe holen können.
  • Asthma, Sport und Spaß
Sport bedeutet für Kinder nicht nur körperliche Aktivität, sondern vor allem Spaß am gemeinsamen Spiel und Wettkampf mit Gleichaltrigen. Neben der körperlichen Fitness und Leistungsfähigkeit fördert Sport auch das Selbstbewußtsein und die Lebensfreude allgemein. Kindern mit Asthma sollte diese Erfahrung nicht vorenthalten werden. Deshalb ist man heute auch der Ansicht, daß Kinder mit Asthma - die richtige Behandlung vorausgesetzt - am Sport in der Schule und im Verein teilnehmen sollten. Daß sogar Leistungssport mit Asthma möglich ist, zeigen einige Medaillengewinner bei Olympischen Spielen. Aber auch das Toben mit anderen Kindern auf dem Spielplatz gehört zu den sportlichen Betätigungen, auf die kein Kind verzichten sollte.


  • Warum ist besondere Vorbereitung nötig
Fast alle Kinder mit Asthma leiden unter dem sogenannten Anstrengungs- oder Belastungsasthma. Körperliche Belastung führt, wie bei allen Menschen, zu schneller Atmung. Die Atemwege kühlen dabei meist ab und trocknen aus. Dies wiederum löst bei vielen Kindern mit Asthma Atemnot aus.
  • Voruntersuchungen beim Kinderarzt
Nach einer ausführlichen Untersuchung der Lungenleistung wird der Kinderarzt mit Ihnen und Ihrem Kind besprechen, wie die Behandlung mit Medikamenten an körperliche Aktivität angepaßt werden kann. Wichtig ist dabei aber auch, daß die allgemeine vorbeugende Therapie nicht vernachlässigt wird. Außerdem sollte Ihr Kind seine Atmung sicher beurteilen und die Atemkraft mit einem Peak-flow messen können. Auch auf den Notfall sollte es vorbereitet sein und atemerleichternde Körperhaltungen und die Lippenbremse kennen.

Schließlich ist noch zu bedenken, ob Ihr Kind beim Sport in Kontakt mit Stoffen kommen kann, auf die es allergisch reagiert. Pferdehaare beim Reiten oder Gräserpollen bei Rasensportarten sind dafür Beispiele.

Einen guten Einstieg in körperliche Aktivitäten stellen Sportgruppen für Kinder mit Atemwegserkrankungen dar. Die geschulten Betreuer vermitteln nicht nur Spaß an der Bewegung, sondern auch das notwendige Wissen und wichtige Techniken, um sicher Sport treiben zu können. Leider gibt es noch nicht überall entsprechende Angebote. Fragen Sie Ihren Kinderarzt nach der nächsten Adresse.
  • Bevor es losgeht
Kinder mit Belastungsasthma sollten etwa 20 Minuten vor dem Sport die Schutzmedikamente inhalieren, die ihr Arzt ihnen empfohlen hat. Mit dem Peak-flow kann dann überprüft werden, ob die Atemkraft ausreicht.

Das Notfallmedikament gehört selbstverständlich in die Sporttasche.

Die Kleidung sollte leicht sein und nicht einengen, aber ausreichend wärmen. Nach dem Sport sollten verschwitzte Sachen sofort gegen trockene ausgetauscht werden.

Insbesondere zu Beginn sportlicher Aktivität sollte Ihr Kind es langsam angehen lassen und nach einer Aufwärmzeit eine kurze Pause einlegen. Trainingsformen, bei denen sich anstrengende und ruhigere Phasen ablösen sind günstiger als Langzeitbelastungen.

Ermutigen Sie Ihr Kind schließlich, immer dann Pausen zu machen, wenn es meint, etwas Ruhe zu brauchen. Wirkliche Stärke bedeutet nicht, sich über die eigenen Grenzen hinaus zu fordern, sondern früh genug aufzuhören. Gerade Kinder, die fürchten, als Schwächling verspottet zu werden, sind hier gefährdet. Besprechen Sie mit Ihrem Kind, wie es seine Bedürfnisse selbstbewußt und sicher gegenüber anderen Kindern durchsetzen kann.
  • Erzieherinnen, Lehrer und Trainer informieren
Kinder mit Asthma können und sollten nicht ständig von ihren Eltern umsorgt und überwacht werden. Zur Sicherheit Ihres Kindes ist es sinnvoll, Erzieherinnen im Kindergarten, Lehrer und vor allem Trainer über die Erkrankung zu informieren. Überlegen Sie vor dem Gespräch genau, welche Informationen wirklich wichtig sind und welche eher verunsichern. Eine zu dramatische Darstellung birgt nämlich die Gefahr, daß sich Außenstehende überfordert fühlen und ablehnen, Ihr Kind zu betreuen. Einfache und klare Anweisungen können hier Sicherheit für alle Beteiligten schaffen.
Es ist beispielsweise nicht notwendig, daß Betreuer die gesamte Behandlung verstehen. Zur Sicherheit Ihres Kindes reicht es in der Regel aus, wenn sie kritische Situationen erkennen und im Notfall schnell Hilfe holen. Vielleicht bereiten Sie dazu ein kurzes Informationsblatt mit dem Namen Ihres Kindes, Ihrer Telefonnummer und der Nummer des Rettungsdienstes vor.
Mit Sportlehrern und Trainern sollten Sie außerdem vereinbaren, daß Ihr Kind jederzeit Pausen einlegen darf und bei Anzeichen von Atemnot sogar dazu angehalten werden sollte. Unter Umständen ist zu überlegen, ob Ihr Kind wegen seines Asthmas ohne Benotung am Schulsport teilnehmen sollte.
  • Wenn Asthma die Familie belastet
Asthma und seine Behandlung stellen zusätzliche Anforderungen, denen Kinder oder Eltern nicht immer gewachsen sind. Regelmäßiges Inhalieren kostet Zeit, und längst nicht jedes Kind hat dazu Lust. Besonders, wenn eine Familie noch durch andere Sorgen belastet ist, kann alles zu viel und die Behandlung vernachlässigt werden. Schuldgefühle kommen auf, und manche Eltern trauen sich kaum noch, den Kinderarzt aufzusuchen.

Ebenso kann ein dramatisch verlaufener Asthmaanfall Eltern so nachhaltig beeindrucken, daß sie ihr Kind aus lauter Angst vor einer Wiederholung nicht mehr aus den Augen lassen. Für manche Außenstehende mag es dann leicht sein, von Überbehütung zu sprechen. Doch dieses vorschnelle Urteil kann besorgten Eltern nicht helfen, vertrauensvoll in die Zukunft zu schauen und ihrem Kind altersgemäße Freiheiten einzuräumen. Die Sorge der Eltern ist nur zu verständlich, auch wenn dadurch die normale Entwicklung des Kindes erheblich beeinträchtigt wird.

Zwar ist man heute weit davon entfernt, zu glauben, daß Asthma allein durch psychische Probleme hervorgerufen werden kann. Schuldgefühle, die manchen Eltern deshalb heute immer noch eingeredet werden, sind völlig unbegründet.
Doch ist auch bekannt, daß seelische Belastungen, wie z. B. Angst, großer Kummer oder Aufregung, die Atmung beeinträchtigen können. Hier ist zu überlegen, wie Kinder mit Asthma und auch ihre Eltern lernen können, besser mit unvermeidlichen Ereignissen umzugehen.

Konflikte zwischen Eltern und Kindern, vor allem auch Jugendlichen, sind Teil einer ganz normalen Entwicklung. Streit um Ordnung, Pünktlichkeit, abendlichen Ausgang, Schule und Hausaufgaben gehören einfach dazu. Es ist naheliegend, das Asthma hier als Machtinstrument einzusetzen, um die eigenen Interessen durchzusetzen. Kinder und Jugendliche können die Erkrankung nutzen, um sich unangenehme Situationen oder Pflichten zu ersparen. Eltern können die Erkrankung einsetzen, um Verbote auszusprechen, die eigentlich einen ganz anderen Grund haben.

Kurzfristig mögen Kinder und Eltern so erfolgreich sein, auf Dauer kommt es aber leider meist zu erheblichen Schwierigkeiten sowohl in der Familie als auch mit dem Asthma. Machtkämpfe auf dem Ersatzschauplatz Asthma sind riskant, weil die Erkrankung eine unangemessen große Bedeutung erlangt, ohne das eigentliche Problem zu lösen.

Die hier beschriebenen Sorgen und Schwierigkeiten sind nicht selten. Es ist ganz normal, daß es Familien nicht immer gelingt, gut mit der chronischen Krankheit Asthma und den zusätzlichen Pflichten zu leben. Deshalb sollte es ebenso normal sein, daß Eltern sich auch hier Hilfe holen.
  • Wer kann weiterhelfen?
Der erste Ansprechpartner sollte Ihre Kinderärztin oder Ihr Kinderarzt sein. Es ist nicht nur deren Aufgabe, die richtigen Medikamente auszuwählen. Es ist auch ihr Ziel, Familien zu helfen, die schwierige Aufgabe der täglichen Behandlung eines chronisch kranken Kindes zu bewältigen. Scheuen Sie sich also nicht, darüber zu sprechen, wenn es Ihnen schwerfällt, die Behandlung durchzuführen. Bei seelischen Problemen oder Erziehungsfragen können auch andere Fachleute, z. B. Diplom-Psychologen oder psychotherapeutisch ausgebildete Ärzte, hinzugezogen werden.

In vielen Städten haben sich inzwischen auch Selbsthilfegruppen gegründet. Hier können sich Eltern über ihre Sorgen austauschen und Verständnis finden.
Manchmal kann es Eltern bereits helfen, wenn sie erfahren, daß auch andere Familien mit ähnlichen Sorgen belastet sind wie sie selbst. Ähnlich günstige Erfahrungen werden auch von Asthmaschulungskursen oder Asthmasportgruppen berichtet.

Nicht alle Familien möchten jedoch so öffentlich über persönliche Sorgen sprechen. Sie können Hilfe bei Diplom-Psychologen oder anderen psychotherapeutisch ausgebildeten Beratern finden, die inzwischen an immer mehr Kinderkliniken tätig sind und die Situation von Familien mit chronisch kranken Kindern kennen.

Als besonders geeignet haben sich Beratungsgespräche auf familientherapeutischer Grundlage erwiesen. Deren Ziel ist es, die Familienmitglieder gemeinsam auf dem Weg zu einer persönlich passenden Lösung ihres Problems zu begleiten. Es geht dabei darum, alltagstaugliche Lösungen zu finden, Ängste abzubauen und günstige Formen der Bewältigung unvermeidlicher Konflikte zu trainieren. Mit einer langfristigen Psychotherapie oder der Behandlung von schweren geistigen oder seelischen Erkrankungen hat diese Art der Beratung nur wenig gemein. Scheuen Sie sich nicht, auch solche Hilfen in Anspruch zu nehmen, wenn das Asthma Ihr Familienleben zunehmend beherrscht und die Lebensfreude aller Familienmitglieder beeinträchtigt.


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Eckhard Rudolph
Kinderarzt Jugendmedizin
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