Eckhard Rudolph
Kinderarzt
Jugendmedizin
Talstr.: 28 a
66424 HOMBURG

Fernsehen Kinder
  • Ratgeber
    > Bildschirmmedien
Gefahr aus der Flimmerkiste!

Wachsender Einfluß elektronischer Medien auf Kinder

Egal ob Ihr Kind vor dem Fernseher oder dem Computer sitzt. Beide Medien sind hinsichtlich ihres Einflusses auf die kindliche Entwicklung ähnlich zu beurteilen:

  • Da vermehrt kognitive Prozesse (hier wird das Denken und Überlegen gemeint) durch computergestützte Verarbeitungsprozesse ersetzt werden, kommt es langfristig zu kognitiven Leistungseinbußen bzw. einer mangelnden Entwicklung kognitiver Fähigkeiten. Mit anderen Worten: Die Kinder laufen Gefahr denkfaul zu werden
  • Finden die nachmittäglichen Freizeitaktivitäten hauptsichlich am Bildschirm statt, kann auch die körperliche Bewegung leiden. Stimulierende Effekte sportlicher Betätigung oder körperlicher Bewegung auf die kognitive Entwicklung bleiben aus. Auch die Folgen einer intensiven Mediennutzung im Sinne eines Suchtpotentiales. insbesondere der Computerpsiele, und eine damit verbundene Verschlechterung schulischer Leistungen können darunter subsummiert werden.

Seit Einführung des Privatfernsehens 1980 steht eine vermehrte Anzahl von Sendern (statt bis dahin 3 nun mindestens 30) zur Verfügung. Die Sendezeiten wurden von bisher 8 Stunden täglich rund um die Uhr ausgeweitet. Zudem wird immer aggressiver geworben: Werbeblöcke zerhacken Sendungen. Der Inhalt der Sendungen ist zunehmend gewalttätig und sexualisiert.

Zum Fernsehen im weiteren Sinne gehören auch die Computerspiele und sind entsprechend gleich zu werten.

  • 60% der Zeit in der Familie wird vor dem Fernseher geschwiegen
  • 6-13 Jährige sehen mehr als 2 Std./ Tg fern
  • fast in jedem 2. deutschen Kinderzimmer steht ein Fernseher
  • bis zur 12. Klasse hat ein Durchschnittsjugendlicher 18.000 Stunden vor der Glotze verbracht- mehr als in dr Schule
  • Werbezielgruppe: Kinder als Konsumenten
  • Solospiele an PC, Gameboy etc.

PRO:

  • Fersehen ist informativ und bildet
  • Fernsehen lenkt ab und zerstreut (pro?)
  • bildet Meinungen und Trends (pro?)

CONTRA:

ERGO:

  • Meiden Sie Fernsehen als Hintergrundberieselung. Besonders Säuglinge laufen sonst Gefahr, nicht mehr das Wesentliche aus einer Information herausfiltern zu können!
  • Gerade in den ersten 3 Lebensjahren macht das Gehirn Ihres Kinde eine rasante Entwicklung durch, die durch visuelle Stimulation mit gesteuert wird.
  • Kinder sind erst ab dem Alter von cirka 4 Jahren fähig einfache Filmhandlungen nachzuerzählen. Machen Sie die Probe aufs Exempel!
  • Begrenzen Sie die Fernsehzeit auf maximal eine halbe Stunde bis zum Alter von 5-6 Jahren.
  • Wählen Sie die Sendungen aus. Nicht alles was für Kinder gemacht ist, ist auch für sie geeignet!
  • Vermeiden Sie hektische Filme und vor allem Werbung! Kinder haben noch nicht eine so schnelle Auffassungsgabe. Sie werden überrumpelt und Ihnen fehlen dann wichtige Zusammenhänge!
  • Setzen Sie sich mit dazu und beobachten Sie Reaktionen Ihrer Kinder! BesprechenSie den Inhalt des Gesehenen. Lassen Sie Ihre Kinder selbst urteilen und fragen Sie warum. Machen Sie Ihnen Ihre Argumente verständlich!
  • Fernseher haben nichts in Kinderzimmern zu suchen!
Fernsehen macht müde und passiv:
  • Die Flut von Bildern aus der Flimmerkiste ist anstrengend. Ein Mensch muß sich innerlich von negativen Inhalten (Gewalt, Böses etc.) erst distanzieren lernen. Sonst vermischen sich die Bilder mit der Realität und verwirrt die Gedanken. Das ist anstrengend. Aber auch positive Inhalte müssen verarbeitet werden.
  • Mit Geschichten und Büchern hat ihr Kind die Möglichkeit, sich selbst Bilder im Kopf zu schaffen.

Fernsehen macht aggressiv:

  • Nicht nur Gewaltfilme fördern aggressives Verhalten. Auch "normales" Fernsehen fördert Gewaltbereitschaft. Eine amerikanische Studie wies einen eindeutigen Zusammenhang von von Fernsehdauer und Aggressionspotential nach. Also je mehr geglotzt desto aggressiver. Friedliche Konfliktlösungen werden im Fernsehen auch seltener dargestellt. Aktives gestalten von Beziehungen wird duch TV verhindert.
Fernsehen stört die Kommunikation:
  • Wenn wir intensiv Fernsehen, versinken wir in einer anderen Welt. Kinder sehen intensiver als wir, oft mit offenen Mund. Sie können sich von dem Gesehenen viel weniger distanzieren als wir Erwachsene. Wenn also Kinder zu viel vor der Glotze sitzen, lernen sie nicht sich aktiv und kommunikativ mit der realen Umwelt auseinanderzusetzen. Das heißt ihre Fähigkeiten ein selbstbewußtes, unabhängiges Leben zu führen verkümmern.
Fernsehen fördert Unkonzentriertheit:
  • Eine im April 2004 veröffentlichte Studie belegt den linearen Zusammenhang von von Fernsehdauer in den ersten drei Lebenjahren und Konzentrationsproblemen später in der Schule. Fazit: Kinder mit häufigem TV-Konsum leiden unter Konzentrationsstörungen, Impulsivität und Unruhe in der Schule. Bei Ihnen fand man auch häufiger ADS/ADHD.
  • Kinder mit Fernsehern im Kinderzimmer haben häufiger ADS/ADHD.
  • Reizüberflutung hat nachhaltige Konsequenzen: Einerseits lernen reizüberflutete Kinder mit Dingen in einem hohen Temp und mit großer Flexibilität umzugehen. Auf der anderen Seite fehlen ihnen Momente der Stille, Muße und Ruhe, in denen neue Ideen heranreifen können. Sie haben nicht gelernt mit diesem Innehalten umzugehen und agieren nur ihre Unruhe aus.

Fersehen macht dick:
  • Sowohl bei dicken wie auch bei schlanken Kindern fällt beim Fernsehen der Grundumsatz. Das heißt in Ruhe wird noch weniger Energie verbraucht! Das heißt: die überschüssigen Kalorien werden auf die hohe Kante gelegt- sprich: es wird Fett aufgebaut.
  • Übergewicht erhöht das Risiko für weitere Erkrankungen:
    • Diabetes mellitus
    • Bluthochdruck
    • Gefäßschäden
    • Herzkreislauf-Erkrankungen
    • Orthopädische Problem
    • Metabolisches Syndrom
Computerspiele:
  • Zwischen 1998 und 2008 hat die familiäre Aussstattung mit interaktiven Medien besonders stark zugenommen. 2008 hatten so zum Beispiel 71% der über 12 jährigen Jugendlichen einen Computer in ihrem Zimmer.
  • Die durchschnittlichen täglichen Nutzungszeiten von männlichen Neuntklässern stiegen von 68 Minuten im Jahre 2000 auf  141 Minuten im Jahre 2008. Mädchen nutzen diese Medien deutliche seltener als Jungens.
  • Computerspielen an sich ist natürlich nicht unbedingt krankhaft.
  • Krankhaft ist es dann, wenn Symptome von Abhängigheit und Sucht bestehen:
    • wenn ein starkes, oft unüberwindbares Verlangen vorliegt
    • Schwierigkeiten, das Spielen zu kontrollieren - was Beginn, Beendigung und Menge des Konsums angeht -
    • Entzugssymptome bestehen 
    • Fortschreitende Vernachlässigung anderer Verpflichtungen, Aktivitäten, Vergnügen oder Interessen zu beobachten sind
    • Fortdauernder Gebrauch wider besseres Wissen und trotz eintretender schädlicher Folgen.
  • Exzessives, sich selbst gefährdendes Spielen beginnt (meiner Meinung nach) bei einigen Kindern schon, wenn sie mehr als 2 Stunden täglich "zocken".
  • 10% aller Neuntklässler weisen ein exzessives Spielverhalten auf bei dem sie mehr als 4,5 Stunden am Tag spielen.
  • Neben abhängigem Computerspielen sind auch andere andere Aktivitäten als bedenklich einzustufen:
    • Übermäßige Pflege von Online-Beziehungen
    • Abhängiges Surfen und Abrufen von Datenbanken
    • Abhängiges Glückspiel, Kaufen und Handeln im Internet
    • Abhängigkeit von pornografischen Angeboten im Internet
  • Folgen von krankhaftem Medienkonsum
    • Depression
    • Fettsucht
    • Angst
    • Soziale Störungen
    • mangelhafte Leistungsbereitschaft vor allem in der Schule
Fazit: Nichts geht über Kontrolle



Zum Seitenanfang
Eckhard Rudolph
Kinderarzt Jugendmedizin
Reisemedizin
Talstr.: 28 a
66424 HOMBURG

Telefon: 06841-790 01
Fax.: 06841-790 08
Mobil: 0172-740 05 60