Kinderarzt Homburg
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Verstopfung- Obstipation

Verstopfung bei Kindern
Ursachen
Symptome
Sinnvolle Untersuchungen
Behandlung
Ernährung und Vorbeugung

(c) Dr. Peter Voitl, www.Kinderarzt.at
  • Es gibt keine Norm, wie oft ein Kind Stuhlgang haben sollte; entscheidend ist, daß das Kind bei regelmäßigem Stuhlgang keine Beschwerden hat. Die Stuhlentleerung kann bei Kindern durchaus sowohl dreimal täglich als auch dreimal wöchentlich erfolgen. Typische Zeichen einer Verstopfung ist eine seltene, harte und schmerzhafte Entleerung.

 Verstopfung bei Kindern
  • Bei vollgestillten Säuglingen kann die Häufigkeit des Stuhlgangs normalerweise von mehrmals pro Tag bis zu einmal in der Woche schwanken, auch noch längere Intervalle (bis maximal 14 Tage) sind möglich, die Babys haben aber üblicherweise einen weichen Stuhl. Wenn keine sonstigen Beschwerden vorliegen ist das kein Grund zur Sorge.
  • Säuglinge unter 6 Monaten strengen sich normalerweise oft beim Stuhlgang an, ziehen die Beine an, stöhnen und bekommen ein rotes Gesicht, weinen aber normalerweise nicht. Dieses Verhalten weist vor allem lediglich darauf hin, dass eine Stuhlentleerung im Liegen schwierig sein kann. Muttermilchstuhl kann sehr flüssig sein. Solange der Stuhl gut riecht und nicht so fest ist, daß Ihr Baby ihn nur mit Mühe absetzen kann, ist  wahrscheinlich alles in Ordnung.
  • <>Bei Klein- und Schulkindern versteht man unter einer Verstopfung eine seltene oder schwierige Stuhlentleerung. Probleme mit dem Stuhlgang entstehen oft, wenn die Stuhlpassage als unangenehm oder schmerzhaft empfunden wird und das Kind dem Stuhldrang mit Stuhlverhalten ent- gegenwirkt. Harter Stuhl ohne Beschwerden ist aber noch nicht als Verstopfung anzusehen. Jedoch kann aber ein Kind, das regelmäßig kleine Stuhlportionen entleert, eine Verstopfung haben, wenn die aus- geschiedene Stuhlmenge kleiner als die Stuhlproduktion des Darms ist. Kein Grund zur Sorge besteht wenn die Verstopfung nicht länger als drei Tage dauert, das Kind keinen Blut im Stuhl hat und der Stuhlgang nicht schmerzenhaft ist.
 Ursachen 
  • Verstopfung kann unterschiedliche Ursachen haben und sollte deshalb durch ärztliche Untersuchungen abgeklärt werden. Oft liegt der Grund in einem falschen Ernährungs- oder Trinkenverhalten, das einer guten Verdauung entgegensteht. Eine Nahrungsumstellung bei Säuglingen kann manchmal eine Verstopfung zu Folge haben.
  • Verstopfung kann auch Folge einer schmerzhaften Darmentleerung sein, wodurch das Kind Angst vor dem Stuhlgang entwickelt und den Stuhl zurückhält. Dadurch wird der Stuhl ins kleine Becken zurückgezogen, wo er keinen Reiz mehr hervorruft und zu einer harten Masse eindickt, die dann umso größere Schmerzen verursacht und die Angst vor der Entleerung noch mehr steigert. Es entsteht ein wahrer Teufelskreis.
  • Äußere Störfaktoren können eine Rolle spielen, ebenso eine schwierige Entwicklung beim Sauberwerden, Änderung der Umgebung oder der familiären Situation. Primär seelische Ursachen sind eher selten.
  • Schmerzhafte, unangenehme Erlebnisse in Zusammenhang mit der Darmentleerung, besonders bei Kindern im Alter von 1–4 Jahren, wenn die Kontrolle über die Schließmuskel erlernt wird, spielen eine Rolle. Die Kinder vermeiden weitere solche Erlebnisse und halten den Stuhl zurück. Unabhängig von der auslösenden Ursache setzt sich eine einmal entstandene Verstopfung oft von selbst weiter fort.
  • Manchmal bestehen auch Erkrankungen des Darmes die eine Verstopfung begünstigen: fehlende Nervenzellen der Darmwände wie z. B. beim Morbus Hirschsprung. Angeborene Defekte sind selten die Ursache, wenn Kinder in den ersten Lebensjahren eine normale Darmfunktion hatten. Verschiedene anatomische Fehlbildungen oder Entzündungen können ebenso zur Obstipation führen.
  • Auch andere Erkrankungen können eine Verstopfung verursachen. Dazu gehören beispielsweise ein chronischer Flüssigkeitsmangel, längere Bettlägerigkeit, hormonelle Erkrankungen und Nervenstörungen.
  • Bestimmte Medikamente können Verstopfung als Begleiteffekt haben. Zum Beispiel: Hustenblocker, Narkotika, Anticholinergika, Magensäure- blocker, Medikamente gegen Depressionen, Epilepsien etc.
 Symptome 
  • Bauchschmerzen, meist wiederkehrend und kurz anhaltend, großer Bauch, unwillkürlicher Stuhlabgang, Entzündungen am Darmausgang oder Enddarm, Einrisse am Schließmuskel, Schmerzen beim Stuhlgang, Blutauflagerungen auf dem Stuhl, oft großkalibriger Stuhl, meist hart. Die Stuhlfrequenz kann, muß aber nicht vermindert sein. Die Kinder verspüren einen mangelnden Drang zum Stuhlgang. Außerdem treten Bauchschmerzen auf. Es kann auch zum Einnässen kommen. Das ist vielen Kindern so unangenehm, daß sich psychische Probleme entwickeln können.
Sinnvolle Untersuchungen
  • Organische Ursachen sollten immer ausgeschlossen werden, wobei die genaue Krankheitsgeschichte und die kinderärztliche Untersuchung meist ausreicht. Auch kann eine Ultraschalluntersuchung leicht gemacht werden.
  • Bei Verdacht auf organische Ursachen stehen Röntgenuntersuchungen, Gewebsentnahmen und Anorektale Manometrie zur Verfügung.
  • Bei Verdacht auf Hormon– oder Elektrolytstörungen sollten Blutwerte bestimmt werden (Elektrolyte, Schilddrüsenwerte, Vit–D–Spiegel).
Behandlung 
  • Wenn die Verstopfung schon länger besteht, kann der Arzt mit einem Einlauf eine Entleerung des Enddarmes und damit eine Schmerzbefreiung herbeiführen. Allerdings kann diese Maßnahme bei häufiger Durchführung die Problematik auch verschlechtern.
  • Entscheidend ist natürlich die Beseitigung der Ursachen. Ballaststoffreiche Kost mit ausreichend Flüssigkeit, ein schonendes Toilettentraining bei Kindern über 2 1/2–3 Jahren und die Möglichkeit einer schmerzlosen Stuhlentleerung für das Kind stehen im Vordergrund.
  • Wenn ein Baby Schwierigkeiten hat, Stuhl entleeren, kann man Milchzucker verwenden. Milchzucker fördert das Wachstum von Lactobazillus bifidus im Darm, der die Stuhlkonsistenz lockert. Lactulose ist auch in der Dauertherapie völlig unschädlich. Bei größeren Kindern hat Feigensirup eine darmanregende Wirkung.
  • Auch andere Substanzen, die den Stuhl weich machen wie z.B. Macrogol (Movicol) können mit sehr gutem Erfolg verwendet werden. Auch dieses Präparat bindet Wasser im Darm, hat aber den Vorteil einer weitgehen- den Geschmacksfreiheit. Wichtig ist es, die Behandlung ausreichend lange und konsequent durchzuführen, bis das Kind sich an eine schmerzfreie Darmentleerung gewöhnt hat. Unterstützend kann eine schmerzlindernde Salbe vor der Stuhlentleerung aufgetragen werden.
  • Bei älteren Kindern steht die Ernährung im Vordergrund: Die Nahrung sollte vielseitig, abwechslungsreich und ballaststoffreich sein, auch viel trinken und viel Bewegung ist wichtig. Abführmittel (Laxantien) sind bei Kinder so gut wie nie erforderlich. Kinder, die eine psychische Problematik entwickelt haben, sollten eine psychotherapeutische Begleittherapie erhalten.
  • Stellt sich ein normaler Stuhlgang ein, so können die Medikamente langsam abgesetzt werden, lediglich die ballaststoffreiche Ernährung sollte beibehalten werden.
  • Chirurgische Behandlung sind bei anatomischen notwendig.
Ernährung und Vorbeugung
  • Häufige Ursache für eine Verstopfung ist die falsche Ernährung, vor allem der Mangel an Ballaststoffen. Ballaststoffe sind pflanzliche Nahrungsbestandteile, die unverdaut in den Dickdarm gelangen. Da sie Wasser binden und aufquellen, lockern sie den Stuhl und regen die Darmtätigkeit an. Faserreiche Kost ist auch meist vitaminreicher, zucker- und fettärmer und enthält mehr pflanzliche als tierische Nahrungsmittel. Leinsamenbrot ist nicht ausreichend, da die darin enthaltenen Körner gebrannt sind, auch geschroteter Leinsamen hat keine Wirkung, weil Leinsamen nur solange quillt, wie die Faserkapsel intakt ist.
  • Zu empfehlen sind 3 Mahlzeiten am Tag, reichlich kalorienarme Getränke, vermehrte körperliche Bewegung und Stuhltraining
  • Günstig sind
    • Reichlich Vollkornprodukte, Grahambrötchen, Naturreis, Vollkornteigwaren, Kartoffeln
    • Viel Obst, vor allem Pflaumen, Birnen, Äpfel, Melone, Aprikose, Feige, Dörrobst.
    • Viel Gemüse, Salate, Rohkost, Müsli, Nüsse.
    • Achten Sie auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr.
  • Ungünstig sind: 
    • Weißbrot, Toastbrot, Semmeln, Zwieback, weißer Reis, Teigwaren, Knabbergebäck, Bananen, Pudding, Cremespeisen, Kuchen, Schokolade,
    • zuviel Milch- und Milchprodukte
    • Schokolade und Süßigkeiten.
    • Verwenden Sie keine Abführmittel ohne ärztliche Verordnung!
    • Kalorienhaltige Getränke: Fanta, Cola, Säfte, Eistee etc.

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Eckhard Rudolph
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